Adventskalender

Der Indie-Adventskalender 2015 – Türchen 4

Willkommen zu Türchen 2! Heute geht es um das E-Book „Schattensprünge sind nicht die Leichtesten“ von Simone Gütte. Viel Spaß erst mal beim Interview!

Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Und wann wusstest Du, dass Du das nicht nur als Hobby, sondern professionell machen wolltest?

Ich schreibe schon seit meiner Kindheit leidenschaftlich gern. Angefangen habe ich mit selbst ausgedachten Märchen. Wenn wir auf Reisen waren, habe ich Reise“berichte“ geschrieben und mit Bildern und Postkarten verziert. Seit ewigen Zeiten führe ich Tagebuch, nicht immer regelmäßig, aber Herausragendes und damit verbundene Gedanken und Gefühle halte ich auf diese Art und Weise fest. Die Idee, mal einen ganzen Roman zu schreiben, kam aber recht plötzlich. Vor nunmehr drei Jahren habe ich mich einfach hingesetzt und mal konsequent eine ganze Geschichte hintereinander weg geschrieben. Und da ich gemerkt habe, wie viel Spaß mir das macht, bin ich dabei geblieben und habe gleich im Anschluss den zweiten Roman zu Papier gebracht.

Wie lange hast Du für die Herstellung Deines Buches gebraucht?

Für die Rohfassung brauche ich ein halbes bis dreiviertel Jahr. Dann „ruht“ das Skript ein bis zwei Monate, damit ich Abstand zum Text gewinne. Anschließend überarbeite ich es mehrmals. Das dauert ungefähr noch einmal dieselbe Zeit, wenn nicht sogar ein bisschen länger. Es folgen Korrekturen, Lektorat, Layout und Cover. Da ich ohne jegliches Vorwissen angefangen habe, habe ich mich in alles eingelesen und recherchiert. Wie sollte das Layout aussehen, was ist ein Impressum, Bilderrechte, wie funktionieren die Vertriebs-Plattformen, wie kalkuliere ich Preise, was ist das VLB, was darf ich, was darf ich nicht, etc. – Bis dann das Buch auf dem Markt war, sind also fast zwei Jahre vergangen.

Erzähle doch mal ein bisschen mehr über Dein Buch. Um was geht es in diesem?

Jane ist eine junge Frau, Ende 20, die in ihrer Firma, einer kleinen Lokalzeitung ihre Karrierechance nutzen will und zur Geschäftsführerin aufsteigen möchte. Sie ist ehrgeizig, motiviert, hat sich weitergebildet und dennoch bekommt jemand anderes die begehrte Stelle. Aus Wut und Ärger trinkt sie zu viel, fährt dann betrunken mit dem Rad und so kommt es wie es kommen muss. Sie stürzt und wird mit einem Schienbeinbruch ins Krankenhaus abtransportiert. Da die Beziehung mit ihrem Freund auch unter ihrer „Karrieresucht“ gelitten hat, ist diese ebenfalls auf Eis gelegt. Sie hat nun im Krankenhaus genügend Zeit, sich mit ihren wahren Wünschen und Zielen auseinanderzusetzen. Warum will sie überhaupt so rigoros die Karriereleiter nach oben klettern? Was ist mit ihrer Liebe zu ihrem Freund Leon? Hilfreich auf ganz spezielle Weise sind Ereignisse, die sich gerade im Büro zutragen sowie neue Menschen, denen sie im Krankenhaus begegnet, aber auch ihre „alten“ Freunde und Bekannten, die sie jetzt besser kennenlernt. Und sie lernt selbst viel dazu.

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Welche Person in Deinem Buch liegt Dir besonders am Herzen und warum?

Meine Protagonistin liegt mir schon sehr am Herzen. Sie macht in dieser kurzen Zeit eine große Entwicklung durch. Sie ist ans Bett gefesselt und hat keine Möglichkeit, den neuen Lektionen zu entkommen. Und sie nutzt ihre Chancen und schaut genauer hin. Wie sind ihre Mitmenschen wirklich? Was verbergen sie? Warum hat sie das vorher nicht bemerkt? Sie lernt aufmerksam und achtsam zu sein. Damit hilft sie sich und anderen.

Wieso schreibst und publizierst Du Bücher oder eBooks im Selbstverlag und nicht bei einem großen Publikumsverlag?

Ich habe mich anfangs ganz blauäugig bei großen, aber auch kleineren Verlagen beworben. Heute weiß ich, dass ich anders vorgehen muss. U.a. fehlte mir ein Ansprechpartner, also der direkte Kontakt. Jeder Verlag bekommt so unzählige Manuskripte auf den Tisch, die dann im Papierkorb landen. Absagen sind allgemein gehalten, nur die wenigsten Verlage begründen diese. Oder es gibt gar keine. Aber ich war und bin von meiner Geschichte überzeugt und wollte irgendwann das Buch gedruckt in den Händen halten, es anderen vorstellen, Meinungen und Feedback bekommen. Also habe ich mich nach den Absagen der Verlage mit selfpublishing beschäftigt. Hier nimmt man alle Aktivitäten selbst in die Hand und behält die Kontrolle darüber: Vom Schreiben des Textes bis hin zum Veröffentlichen des Romans. Als ich dann die ersten ausgedruckten Exemplare in den Händen halten durfte, kam ein richtiges Glücksgefühl auf: Ja, geschafft!

Ist es schwer als Selfpublisher Fuß zu fassen und seine Bücher zu verkaufen?

Einfach ist es auf jeden Fall nicht. Der Buchmarkt ist riesig und wächst weiter. Täglich kommen neue Autoren mit ihren Werken hinzu. Jeder macht auf sich und sein Werk aufmerksam und durch die Masse geht man wieder unter. Es ist ein bisschen wie schwimmen im Ozean. Kurz taucht ein Kopf aus den Wellenbergen auf, dann geht er wieder unter und ein anderer schwimmt oben. Aber man strampelt weiter, sinkt somit nicht und steckt immer mal wieder den Kopf aus dem Wasser. „wink“-Emoticon Einfacher wird es in dem Moment, wenn sich Autor und Zielgruppe gefunden haben und die Zielgruppe als Fangemeinde dem Autor treu bleibt. Das dauert seine Zeit und die Geduld sollte man mitbringen. Daran arbeite ich auch tagtäglich.

Welche Medien durchforstest Du vor dem Bücher schreiben?

Es kommt darauf an, ob ich etwas recherchieren muss. Für meine beiden ersten Bücher war nicht viel Recherche notwendig. Für den dritten Roman jedoch schon. Hier suche ich in Sachbüchern, Zeitschriften, online in wikipedia oder anderen Internetseiten nach meinen Themen. Da im neuen Buch auch Historisches einfließen wird, will ich genau sein, wenn es um die Fakten geht.

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Wie sieht der Arbeitsalltag eines Schriftstellers aus?

Ich übe ja noch einen Hauptberuf aus, das heißt, ich schreibe nicht täglich. Aber wenn ich zu Hause bin, bin ich ein „Morgenarbeiter“, da habe ich die besten Ideen und kann mich gut konzentrieren. Mein Tag beginnt ca. ab 8 Uhr mit dem Strecken meiner eingerosteten Knochen und anschließendem Frühstück. Apfelschorlen und Tee auf den Schreibtisch, weil ich sonst das Trinken vergesse. Dann will ich erst mal alles vom Tisch haben, bevor ich loslege. Also Mails checken und ähnliche Sachen, bisschen netzwerken auf FB und Google, aufpassen, dass ich nicht zu sehr dabei hängenbleibe – und dann komme ich hoffentlich ins Schreiben. Mittagessen. Kopf, Augen und steifen Nacken beim Spaziergang auslüften, dann kann es nachmittags bis zum Abend mit Schreiben weitergehen. So sieht jedenfalls der ideale Schreibtag aus. Es gibt auch Tage, da schreibe ich stundenlang und merke nicht wie die Zeit vergeht. Nicht gut. Mein Körper wird mir das nicht danken. Dann hatte ich eine lange Zeit, in der ich gar nicht geschrieben habe. Es kamen keine Ideen, Schreibblockade nennt man so was wohl. Ich habe mich dann ergeben – und neue Sachen ausprobiert: Buch-Marketing, um sichtbar zu werden. Recherchen für bestimmte Themen. Vertriebs-Plattformen kennenlernen und ausprobieren. Covererstellung. Um auf dem Laufenden zu bleiben: Newsletter, Artikel, Sachbücher, webinare, Tipps und Tricks lesen. Netzwerken, Aktionen mitmachen und unterstützen, usw.

Wie machst Du auf Deine Werke im Web aufmerksam?

Ich stelle sie auf Facebook und in den speziellen Autoren-Gruppen vor, das Gleiche bei Google, hier sind es die Buch-Communities, in denen Leser zu finden sind. Ansonsten habe ich hauptsächlich die „Schattensprünge“ auf vielen Lese-Seiten verteilt: Autoren_Netzwerk, Writers Online, Autorenherz, Autorenbücherei, Autorenwelt, S. 99, Was lese ich, Rezi-Suche und viele mehr. Seit einem halben Jahr habe ich eine eigene Website, die ich pflege und auf verschiedenen Portalen habe ich mein Profil hinterlegt, z.B. Amazon und Lovelybooks.

Wo liegen Deine Vorlieben als Buchautor bzw. als Leser? Welchem Genre kann man Dein Buch zuordnen?

Als Buchautorin schreibe ich im Genre Belletristik – Gegenwarts- und Frauenliteratur – Entwicklungsroman. Dieses Genre lese ich auch selbst gern. Als Leser mag ich außerdem historische Romane und Fantasy. Mein dritter Roman wird ebenfalls in diesem Genre angesiedelt sein.

Gab es eine Stelle, ein Kapitel oder einen Teil in Deinem Buch, welche Dir extrem schwer gefallen ist zu schreiben?

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Anfangs habe ich mich mit Personenbeschreibungen etwas schwer getan. Ich habe die Personen dann in eine Handlung eingebunden, damit klarer wird, wie sie so ticken. Das war zwar nicht extrem schwer, aber man muss schon genau beschreiben, was die Person tut und warum sie es tut, damit der Charakter klar herausgearbeitet wird und der Leser die Person kennenlernt, versteht und sich möglichst mit ihr identifizieren kann.

Was macht Dein Buch zu etwas Besonderem und lohnenswert zu kaufen?

Da es ein Entwicklungsroman ist und in der heutigen Zeit spielt, kann man sich mit dem Geschehen, den Personen und deren Handlungsweisen gut identifizieren. Man darf sich darüber Gedanken machen, wie man selbst in einer bestimmten Situation reagieren würde. Und das Buch kann anregen, über sein eigenes Leben nachzudenken. Läuft alles so, wie ich es mir gewünscht oder geplant habe oder werde ich eher fremd gesteuert? Und wenn das so ist, was kann ich ändern?

Beschreibe Dein Buch in einem Satz.

Schattensprünge sind nicht die Leichtesten ist ein Buch über die Suche nach dem richtigen Weg im Leben, also dem Weg und der Lebensweise, die zu einem passt.

Wärst Du gerne mit dem Protagonist in Deiner Geschichte befreundet?

Ja, auf jeden Fall. Wie oben schon beschrieben, ist Jane eine junge Frau, die ihre Ziele konsequent verfolgt, aber gezwungen wird, darüber nachzudenken, ob es wirklich ihre eigenen sind, auf die sie zusteuert. – Anfangs geht sie „ihren“ Weg, ohne ihn zu hinterfragen. Aber durch den Unfall wird sie aufgefordert, über den Tellerrand hinauszuschauen. Jane passt nicht recht ins Klischee der typischen selbstbewussten Frau von heute. Sie will es gerne sein, scheitert aber. Dennoch nimmt sie die Herausforderung an, von vorn anzufangen und ihren Platz im Leben zu finden. Außerdem ist sie eine fröhliche, optimistische und liebevolle Person. Solche Menschen mag ich, daher wäre ich gern mit ihr befreundet.

Welche Ratschläge gibst Du jungen Autoren mit auf den Weg?

Wenn dein Traum das Schreiben ist, dann schreib. Es ist dabei egal, in welchem Alter Du anfängst. Sei ernsthaft und begeistert zugleich bei der Sache und hab Deine Leser im Blick. Sie wünschen sich eine spannende Story, Personen, die mit Leben gefüllt sind, gute Recherche und möglichst fehlerfreie Texte. Das ist die Wertschätzung des Autors, die er seinem Leser entgegenbringt. Keiner ist fehlerfrei, irgendwo findet sich immer etwas. Aber mach es so gut wie es eben zu diesem Zeitpunkt möglich ist.

 

Auch heute habe ich wieder eine Art „Gewinnfrage“ an euch: Was für Hauptcharaktere in Büchern mögt ihr am liebsten? Männliche, Weibliche, Einfache, Komplexe?

4 Kommentare

  1. Weiblich oder männlich ist mir egal, eine gewisse Komplexität sollten sie schon haben. Insgesamt muss das Gesamtpaket stimmen: Story, Charaktere, Schreibstil.
    Liebe Grüße

  2. Loredana Bursch

    Ich mag am liebsten weibliche Hauptcharaktere. Mit ihnen kann ich mich persönlich am ehesten identifizieren. Trotzdem sind mir komplexe Charaktere sehr wichtig.

  3. Verena Saile

    Guten Morgen,
    ich bevorzuge in den Büchern am ehesten weibliche Hauptcharaktere. Starke, selbständige die auch keine Angst haben Gefühle zu zeigen.
    Gruß Verena

  4. Ich habe gar keine einfache Figuren in meinen Geschichten. Jede von ihnen überrascht mich und das auch gerne mal, ohne dass ich damit gerechnet habe. Ich mag die Figuren am liebsten, die hart für ihren Weg kämpfen. Die finde ich spannend und die machen mir am meisten Spaß – auch wenn sie die größte Herausforderung sind.

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