Die Drei ??? Hörspiel Kommentar

Haben ‚Die drei ???‘ ihren Reiz verloren?

Kassetten von Die drei Fragezeichen Hörspielen EUROPA

Die drei ??? sind eine der langlebigsten Hörspielserien der Welt, einzig überboten durch die Fünf Freunde, die bereits seit 1977 produziert werden. Über so viele Jahre und so viele Folgen hinweg die Frische zu wahren ist schwierig, das sehen wir auch bei Fernsehserien wie Die Simpsons oder Musikern, die sich mit der Zeit andauernd selbst zitieren. Heute versuche ich zu erörtern, warum die alten Folgen der erfolgreichsten Hörspielserie der Welt so beliebt sind, sich die neuen Produktionen aber dennoch so gut verkaufen. 

Der Reiz der Vergangenheit

Die Vergangenheit hat definitiv ihren Reiz, das sehen wir nur allzu gut an aktuellen Serienhits wie Stranger Things. Ältere Menschen erinnern sich gerne an die Vergangenheit zurück, an die damalige Popkultur, die damalige Technik und die alte Musik. Dabei besteht aber immer die Gefahr eines Tunnelblicks – Neuigkeiten werden ausgeblendet, als schlecht abgestempelt, noch bevor man sich überhaupt damit beschäftigt hat.

Bei Die drei ??? ist das ähnlich. Schon von Anfang an haben die drei Detektive auf moderne Technik gesetzt – das steht ja sogar auf den Rückseiten der alten Schallplatten-Cover drauf. Doch die moderne Technik von 1979 ist natürlich eine andere als die von 2017. Einigen Fans der ersten Stunde missfällt diese Entwicklung. Das echte Leben werde mit der Zeit immer mehr technisiert, warum können nicht wenigstens die Helden der Kindheit davon verschont bleiben?

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Kassetten von Die drei Fragezeichen

Auch die Musik in den alten Produktionen ist definitiv ein wichtiger Punkt. Die ersten knapp 40 Episoden haben von der Musik von Carsten Bohn, Andreas E. Beurmann und Manfred Rürup gelebt. Musik, die schon in den 80ern sehr speziell für Kinderhörspiele war und heute wahrscheinlich noch seltsamer anmuten würde. Die wenigsten würden wohl auf die Idee kommen, eine Mischung aus Jazz-Rock und Orchestermusik für eine Jugend-Detektivserie einzusetzen.

Die Hauptcharaktere Justus, Peter und Bob werden seit Folge eins von den selben Sprechern vertont. Doch auch die Nebencharaktere wurden teils sehr hochkarätig besetzt, wobei die gleichen Sprecher oft sogar in aufeinanderfolgenden Hörspielen verschiedene Rollen gesprochen haben. Doch irgendwie hat sich dadurch eine gewisse Sound-Kulisse eingeprägt, eine Mischung aus der speziellen Musik von Bohn, Beurmann und Rürup, den Sprechern, die einem nach ein paar Folgen bereits bekannt vorkamen und den Anspielungen an die 80er, die aus damaliger Sicht natürlich gar nicht als Anspielungen gedacht waren, heute aber so interpretiert werden.

Die Vertrautheit macht den Flair der ersten Folgen aus

Der Flair der ersten Folgen wurde natürlich maßgeblich durch die Geschichten beeinflusst. Diese unterscheiden sich in vielen Punkten von den neueren Büchern, die von deutschen Autoren geschrieben werden. So waren die damaligen Hörspiele deutlich kürzer und bündiger, haben sich eher aufs wesentliche beschränkt. Außerdem hatten sie einen ganz anderen Flair, waren teils spirituell angehaucht und waren in gewisser Weise abstrakter. Sie waren kreativer, aber in den meisten Fällen dennoch glaubwürdiger und nicht so abgehoben wie die neuen Produktionen.

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Einen großen Teil des Flairs der alten Stories macht Alfred Hitchcock aus. Während der Erzähler mittlerweile wirklich nur noch ein Erzähler ist, hat Alfred Hitchcock mit den drei Detektiven und dem Hörer interagiert, er fungierte als eine Art Bindeglied zwischen der Fiktion und dem Konsumenten. Er hat Fragen gestellt, Rätsel kommentiert und auf die Sprünge geholfen („‚Clock‘ ist das englische Wort für ‚Uhr'“). Diese Komponente, die die Immersion meiner Meinung nach massiv gesteigert hat, entfällt seit Folge 31.

Die Musik wird häufig genannt, wenn es darum geht, was die alten Folgen besser gemacht haben. Zur Verteidigung der Produzenten: Mittlerweile werden vermehrt auch alte Stücke wieder in neue Hörspiele eingesetzt, insofern das rechtlich möglich ist. Dennoch hat sich eine ganz andere Sound-Kulisse geboten, die einem wegen der häufigen Wiederholungen praktisch aller Stücke schnell vertraut vorkam – heute wird viel mehr extra für einzelne Hörspiele produziert. Miles Smiles Ahead, ein Stück von Carsten Bohn aus dem Jahr 1980, wurde beispielsweise in fünf Die drei ???-Folgen eingesetzt, allerdings ebenfalls bei den Fünf Freunden, der GruselserieDie verwegenen VierTKKG und weiteren Produktionen.

Aber sind die neuen Hörspiele nicht immer noch gut?

Doch! In einigen Belangen sogar besser. Aber sie sind eben kein Kult. Und Kult kann eigentlich fast immer nur das werden, was lange in der Zeit zurück liegt. Auf der einen Seite sollte man als Hörer also die Augen (beziehungsweise Ohren) öffnen, und auch den neuen Folgen eine Chance geben. Auf der anderen Seite sollte Sony Music vielleicht mal ein bisschen mehr Fan-Service betreiben und sich nicht nur auf gut laufenden Produktionen ausruhen.

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Doch das wird leider nie passieren. Denn – seien wir ehrlich – warum sollte man etwas ändern, was gut funktioniert? Die Hörspiele verkaufen sich auch ohne die Musik von Carsten Bohn, ohne die Sprecher der ersten Folgen (die natürlich größtenteils schon tot sind). Wahrscheinlich war es sogar richtig von EUROPA, Neuigkeiten einzubringen und immer wieder eine Jetzt-Zeit-Produktion aus Die drei ??? zu machen. Denn die Leute, denen das negativ aufstößt sind in der Unterzahl. Und viele von denen kaufen die neuen Hörspiele ja sogar trotzdem.

4 Kommentare

  1. Martin Bechert

    Hallo zusammen, und nochmals vielen dank für die Aufnahme in den Club! Auch ich kann, mittlerweile 46, mich nicht von den Drei ??? trennen. Weshalb sollte ich auch. Trotzdem muss ich bestätigen: Es ist sehr selten, dass ich in letzter Zeit und unter den neueren Folgen eine wirklich bleibende, nachhaltig gute Geschichte gehört habe. Liegt das an den Drei??? ? Sicher nicht. Liegt es an Heikedine Körting? Bestimmt auch nicht. Regisseurin und ??? lassen weiterhin ihre Lust zu sehr spielerischen Handlungen erkennen, aber: Was sollen sie tun, wenn die Drehbücher nicht mehr diese tiefe haben! Ich glaube, hier liegt das Problem,- auf der einen Seite. Vielleicht haben viele der AutorInnen auch nicht, wie wir, diese intensive Verbindung mit den ???. Ich bin mir sicher, dass hier ein Grund zu finden ist. Andererseits neigen wir alle dazu, zu romantisieren. Was meine ich damit: Ich habe kürzlich erst damit angefangen, mal wieder alten Folgen zu hören. Und hier waren auch nicht alle Geschichten so toll, wie ich sie aus meiner Kindheit erinnerte. Über zwei weitere Dinge habe ich nachgedacht: Unser Horizont hat sich erweitert, je älter wir werden,- hoffe ich doch zumindest. Und die Erwartungen, die wir an neue ??? Folgen haben, sind sicher er- bzw. gewachsen. Und zuletzt kommt für mich noch ein Faktor hinzu: Die Länge der Folgen: Denn es braucht, zumindest bei mir, Zeit, um in diese Welt hinab zu tauchen, mehr als früher, wahrscheinlich aus den genannten Gründen. Und zum anderen sind viele Hörspiele heute deutlich länger. In kurzer Zeit sind viele Geschichten eben nur oberflächlich zu erzählen. Und als Erwachsene erwarten wir, wenn auch weiterhin mit kindlicher Freude, von den aktuellen Folgen eben mehr als damals. Dies ist kein Versuch, die Diskussion breit zu quatschen, denn eines bleibt für mich als Grund: Viele AutorInnen der Geschichten sollten wieder mit noch mehr Leidenschaft an die Abläufe heran gehen. In letzter Zeit sind es auch für mich zu viele Geschichten mit zu vielen Fäden, die bis kurz vor Schluss absolut unklar bleiben, bis dann Justus zur großen Aufklärung ausholt. Geschichten sind dann immer toll, wenn ich als Hörer das Lösen miterleben kann, Stück für Stück neben den Hauptfiguren. 😉

    • Benjamin Kalt

      Die „alten“ Folgen enden ja eigentlich bei Folge 39 – ich muss aber sagen, dass es auch danach bei den Geschichten einige grandiose Positiv-Beispiele gab: Feuermond, Haus des Schreckens, Das leere Grab. Aber dennoch sind von 10 aktuellen Folgen weniger gute Geschichten dabei als von 10 alten Folgen.

      Viele Grüße
      Benjamin

  2. Ich persönlich liebe die ersten 28 Folgen. Folge 29 ist für mich komplett wertlos. Die drei hatten schon damals ihre Höhen und Tiefen. Siehe die Folgen 40 bis ca. 70. Da sind viele schlechte Folgen bei. Inzwischen sind die drei aber sehr langweilig für mich geworden. Es gab immer wieder Folgen da war und bin ich noch immer begeistert von (Haus des Schreckens). Ich selber bin nach Folge 175 ausgestiegen, da einfach nur noch Langeweile aufkam.
    Im Film würde man an so einer Stelle vielleicht einen Reboot der Serie machen aber das würde in der Hörspiel Community wohl nicht angenommen werden. Es gibt ja bis heute Menschen die sich über die Larry Brents von R&B aufregen weil Rainer Schmitt nicht den Larry spricht. Ich halte Jaron Löwenberg sogar für einen besseren oder zu mindestens ebenbürtigen Larry.

    • Benjamin Kalt

      Über Folge 29 lässt sich streiten, ohne die nervigen Geräusche würde ich sie deutlich besser finden. Und auch im Film oder bei Games werden Reboots nicht immer gut aufgenommen, und ich bin mir sicher, bei den drei Fragezeichen würde das schief gehen.

      Die Larry-Produktionen von R&B habe ich noch gar nicht gehört. 🙂

      Viele Grüße
      Benjamin

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