Hörspiel

Navigator

Navigator von "wortpersonal"

Navigator von „wortpersonal“

Titel: Navigator | Spielzeit: ca. 54 Minuten | Label: wortpersonal | Erscheinungsdatum: 28.04.2016 | Dieses Hörspiel kaufen: CD* | Download*

 

Navigator ist ein Einzel-Hörspiel basierend auf einer Novelle von Norman Liebold. Es ist im noch sehr jungen Label wortpersonal erschienen, und beschreibt eine Zukunftsvision der Stadt Köln im Jahr 2035.

Story

Kevin lebt derzeit in Köln zusammen mit Sandra. Sandra ist eine KI mit Spracherkennung, die durchgehend mit dem Internet verbunden ist und Kevin mit allen möglichen Dingen zur Seite steht. Sandra ist dadurch eine Art Mischung aus Navi, Jarvis, Google Now und Smart-Home-Lösung. Doch auf einer Autofahrt zu Kevins Arbeitsplatz passiert etwas sehr unwahrscheinliches, und plötzlich ist Kevin Offline, und dringt in ihm Unbekannte Gebiete vor…

Die Geschichte startet meiner Meinung nach unglaublich vielversprechend. Die Welt im Jahre 2035, in der Drohnen, autonomes Fahren und das Zusammenspiel von Mensch und Computer die Gesellschaft bestimmen, ist einleitend sehr interessant und spannend und auch mit einer ganz ganz leichten Prise Wortwitz beschrieben.

Leider wird diese „neue Welt“ viel zu früh aufgegeben, und man wird aus seinen Vorstellungen einer Zukunft gerissen. So vielversprechend der Anfang war, so ernüchternd sind leider die Mitte und das Ende. Klar, die Grundidee ist alles andere als schlecht, aber unter anderem durch die Tatsache, das Kevin alles viel langsamer versteht, als ich (sprich: Der Hörer), hat man das Gefühl, vieles viel zu oft und viel zu ausführlich gesagt zu bekommen, obwohl man das ja eigentlich schon weiß.

Auch interessant:  Terra Mortis (1) - Stadien des Verfalls

Mitte und Ende sind dadurch zwar nicht langweilig, rissen mich aber irgendwie aus der Illusion heraus, und konnten irgendwie nicht so ganz an den Anfang anknüpfen. Auch die Dinge, die der Charakter Diogenes Kevin erzählt, sind irgendwie.. unglaubwürdig. Genau zu sagen warum, würde hier spoilern. Aber schon allein aus dem Grund, das Kevin eine Zeit lang in Köln, aber auch beispielsweise in London gelebt hat, macht einige Aussagen des alten, schrulligen Diogenes so unwahrscheinlich, dass es schwer fällt, diese in das sonst sehr realistische Zukunftsbild einzuordnen.

Alles in allem kann Navigator durch eine wirklich interessante Zukunftsvision und gute Charaktere überzeugen, scheitert aber ein bisschen daran, erst eine Welt aufzubauen, bevor man den Hörer dann aus dieser heraus reißt. Auch haben sich einige Passagen viel zu sehr gezogen, und hatten eigentlich keinen, nennenswerten Inhalt. Besonders für technisch interessierte könnte dies aber ein interessanter Blick dort hin sein, wo wir in 20 Jahren vielleicht stehen könnten. Positiv war natürlich noch der Ortsfaktor, da ich in Aachen wohne und Köln nicht gerade weit entfernt ist. 🙂

Sprecher

Auf Grund der Knappheit an Sprechern ist Navigator eigentlich fast eher eine inszenierte Lesung mit mehreren Personen als ein Hörspiel. Erzähler und Hauptcharakter Kevin wurde Bernd Rehse gesprochen, von dem ich vorher noch nie etwas gehört habe. An der Natürlichkeit von Emotionen kann er meiner Meinung nach noch etwas arbeiten, insgesamt hat er Kevin aber sehr frisch und jung verkörpert. Diogenes wurde von Ernst August Schepmann gesprochen, der zumindest schon ein paar Auftritte in unbekannteren Produktionen hatte. Seine Stimme passte gut zu dem etwas verrückten Charakter, auch wenn sein dauerndes Lachen auf Dauer stark an Natürlichkeit eingebüßt hat.

Auch interessant:  Die weisse Lilie: Tödliche Stille - Kapitel 2

Daniela Bette alias Sandra kennt man nur aus der Hörspiel-Umsetzung von Greg’s Tagebuch aus dem Hause Lübbe Audio. Sie hat der KI zwar durchaus auch Emotionen gegeben, klang aber dennoch nicht komplett „menschlich“, so dass klar wurde, um was es sich hierbei handelt. Trotzdem wäre es irgendwie lustiger gewesen, hier Heike Hagen als Sprecherin zu engagieren. 😉

Insgesamt sticht dieses Hörspiel nicht durch eine Fülle an Sprechern hervor, die, die aber vorhanden sind, machen ihren Job solide.

Musik

Eine wirkliche Musikuntermalung gibt es eigentlich nicht. Zwischendurch spielt Sandra ein bisschen Musik im Auto, und auch ganz vereinzelt wird Hörspielmusik eingesetzt, die man aber sofort wieder vergisst, da sie einfach alles andere als eingängig ist. Musik gehört bei einem guten Hörspiel einfach dazu, und in dieser Kategorie hat Navigator einfach viel zu wenig geliefert. Schade!

Effekte

Auch in dieser Kategorie muss ich leider eine mittelmäßige Wertung vergeben. Wirkliche Atmosphäre konnte durch die wirklich sehr spärlich verwendeten Geräusche nicht aufgebaut werden. Zwar hat man schon erkannt, ob man sich gerade auf der Stadt oder auf der Autobahn befindet, doch hätte eine höhere Dichte an Geräuschen, Vogelzwitschern beispielsweise, der Atmosphäre sicherlich gut getan.

Cover&Design

Das Cover von Navigator fällt unter anderem durch die hoch frequentierte Benutzung von Kleinbuchstaben auf. Das sieht tatsächlich nicht mal so schlecht aus, und auch der sonstige Stil gefällt mir recht gut. Es schweben Nullen und Einsen durch das Bild, und das Hauptmotiv macht Lust aufs Hören, da man erfahren will, worum es sich bei diesem „Ding“ handelt. Auch das Inlay ist in einem ähnlichen Design gehalten und gefällt mir gut.

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.