Bernhard Trecksel Buch Fantasy Z Blanvalet

Nebelmacher – Bernhard Trecksel

Nebelmacher von Bernhard Trecksel

Nebelmacher von Bernhard Trecksel

Titel: Nebelmacher | Autor: Bernhard Trecksel | Seitenzahl: 512 Seiten | Verlag: Blanvalet (Verlagsgruppe Random House) | Erscheinungsdatum: 22.06.2015 | Dieses Buch kaufen: Hier

 

Nebelmacher ist das Erstlingswerk des Debüt-Autos Bernhard Trecksel. Es lässt sich sehr gut in das Genre Fantasy einordnen und ist im Blanvalet-Verlag erschienen. Ich habe sechs Abende gebraucht, um den Roman durchzulesen, was überdurchschnittlich viel ist. Hat mir das Buch gefallen? Grundsätzlich Jein. Die Details lest ihr in dieser ReZension!

Story

Clach, Totenkaiser genannt, ist ein Nebelmacher. Im Auftrag einer Kirche mordet er, und lässt seine Opfer mittels eines Rituals, was nur wenige beherrschen, im allgegenwertigen Nebel aufgehen. Die Erde ist nämlich komplett von Nebel überdeckt, der für die Stadtleute tödlich ist. Deshalb haben Arkanisten für die Fünf großen Städte Kugeln ‚gezaubert‘, durch die die Menschen geschützt sind. Einzig die frei im Nebel lebenden Barbaren können diesem stand halten.

Die Story wird aus der Sicht von Ormgair, einem Barbaren, Fennek Greskegard, einem Inquisitor, Morven, einer Templerin und Clach, dem Totenkaiser erzählt. Mit einem jeweils neuen Kapitel ändert sich auch die erzählende Person. Dabei wird schnell klar, dass alles darauf hinaus läuft, dass es eine große Verschwörung gibt. Und bald sind sich alle unabhängig davon einig, dass Clach dahinter stecken muss.

Mir persönlich gefiel dieses Konzept, das eine zusammen laufende Geschichte durchgehend aus mehreren Perspektiven erzählt wird, gut. Besonders in Ormgairs Perspektive konnte ich mich gut einfühlen, in die vom Morven leider weniger. Dennoch war die lange anhaltende Frage „Wie hängt das alles zusammen?“ sehr interessant und spannend nachzuverfolgen, da ich lange wirklich keine Idee hatte, besonders bei Ormgair.

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Die Geschichte um den Nebelmacher ist spannend, wäre aber an sich nur eine ’normale‘ Geschichte, wäre da nicht die meiner Meinung nach grandiose Welt. Der Nebel, die Inquisitoren, die Götter, die Barbaren, die Stämme, die Pentae (Städte), die Arkanen und die Magicker, die Welt von Nebelmacher ist unglaublich komplex und wird innerhalb des Buches in Tagebucheinträgen zu Ende der meisten Kapitel zusätzlich erklärt. Da ist es gleich doppelt schade, dass der Schreibstil Trecksels das ein wenig versaut, aber dazu später mehr.

Am Anfang ist die Story vor allem Geheimnisvoll und die dauerhaft im Raum stehenden Fragen interessierten mich wirklich. Kurz danach wird die Geschichte dann aus einigen der Perspektiven wirklich spannend und mystisch, am Ende fand ich das Gerede mit den Göttern aber primär verwirrend, eines der Kapitel habe ich nahezu gar nicht verstanden, und die Kapitel in Nebelmacher sind lang!

Schreibstil

Hier stört mich so einiges: Es gibt Schemen, in die Trecksel immer wieder zurück fällt. Viel zu häufig sterben Menschen „fast“, so dass ich mir irgendwann schon dachte „Da passiert doch eh nichts, der ist doch schon 3 mal fast gestorben“. Das nimmt der Handlung ein wenig Spannung, vor allem von der Mitte bis zum Ende, als sich die Fast-Toten praktisch häufen.

Außerdem gestört hat mich eine weitere ‚Angewohnheit‘ des Autors: Die Charaktere ändern andauernd ihren Gefühlszustand, von besonnen zu wütend zu zornig zu normal zu fröhlich zu entschlossen und so weiter. Dadurch wird auch das irgendwann unglaubwürdig. ‚Als er das hörte, wurde er wütend.‘ Als ich das zum Fünfhundertsten mal gelesen habe war ich einfach nur noch unglaublich genervt.

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Außerdem beschreibt Trecksel unglaublich viel: Wie die Figuren sich fühlen, wie die Welt um sie herum aussieht, wie die Gesichtsausdrücke der anderen Leute aussehen, wie ein Pfeil die Zunge an den Gaumen des Angreifers heftet und so weiter. Das hat zwar den Vorteil, dass man sich alles sehr gut bildlich vorstellen kann, den Nachteil, das ein z.B. ein Dialog anfängt, zwei Doppelseiten irgendwas erklärt wird und das Gespräch dann erst weiter geht, so dass ich praktisch schon vergessen habe worum es in dem Dialog eigentlich ging.

Ganz allgemein hat mir der Schreibstil von Bernhard Trecksel überhaupt nicht zugesagt, was für mich irgendwie das Potenzial der Story und der Welt raubt. Eine Verfilmung von Nebelmacher könnte ich mir aber sehr gut vorstellen!

Charaktere

Wie eingangs schon erwähnt konnte ich mich in einige Charaktere besser rein finden als in andere. Mit Ormgair, mein liebster Charakter aus dem Buch, konnte ich wirklich mitfiebern und -fühlen, mit Morven jedoch weniger, mit Greskegard am wenigsten. Das hat den Grund, weil man sehr lange Zeit sein Motiv nicht kennt, warum er Clach jagt. Und ohne dieses Motiv kommt es unglaubwürdig rüber, dass er praktisch sich selbst dafür opfern würde, diesen Nebelmacher zu fangen. Neben den vier großen Charakteren erfährt man eigentlich nur über ‚Sanftleben‘, Greskegards Diener und einen Informanten etwas mehr, die restlichen Nebencharaktere werden eher flach gehalten.

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Insgesamt mochte ich Ormgair am liebsten, er ist ein interessanter Charakter, der sich deutlich von den anderen abhebt. Mit Greskegard konnte ich leider eher wenig anfangen, mit Morven auch nicht besonders viel. Dennoch ist das allgemeine Bild von den Charakteren recht gut, es gibt nämlich nicht zu viele, so dass ich mit den Namen durcheinander kommen könnte. Über die Hauptcharaktere erfährt man auch tatsächlich recht viel, ich konnte mir auch alle recht gut vorstellen.

Cover&Design

Das Cover zeigt, wie auch sonst, Totenkaiser Clach, den Nebelmacher. Es ist ziemlich eindeutig ein Foto einer verkleideten Person, was mir aber an sich sehr gut gefällt, auch wenn ich mir den Clach im Buch ein wenig anders vorgestellt hatte. Was mir allerdings weniger gefällt ist, dass auf dem Buchrücken der Name des Autors und der Titel des Buches in zwei Zeilen geschrieben wurde. Sieht irgendwie komisch aus, finde ich. Ansonsten finde ich das Design des Buches sehr schön, auch wenn der Klappentext meiner Meinung nach etwas zu viel verrät.

Fazit

Nebelmacher hat eine schöne Story, eine geniale Welt und gute Charaktere, verschenkt aber durch den viel zu ausführlichen und wenig Objektorientierten Schreibstil einiges an Potenzial. Auffällig ist übrigens, das sich zu Ende des Buches deutlich mehr Rechtschreibfehler finden als am Anfang, hier hat der Lektor wohl irgendwann keine Lust mehr gehabt. 😉

 

3 Kommentare

  1. Natürlich darfst du das als Kompliment auffassen. 🙂 Ich finde es ausgesprochen toll!
    Sehr präzise und transparent.

    Ja, leider hatte ich in den vergangenen Wochen einige Romane dieser Sorte in Händen. Da blutet einem schon das Herz…
    Aber gut, dafür freut man sich dann wieder um so mehr über die außergewöhnlichen literarischen Schätze 🙂

    Nana

  2. Hallihallo 🙂

    Was für eine tolle, ehrliche Rezension! I LIKE! 😀 Ich muss mich leider immer sehr ärgern, wenn eine Geschichte sooo viel Potential hat und durch die Umsetzung 50% davon verschenkt werden. :/ *seufz* Und Rechtschreibfehler, die in Rudeln auftreten, können einem auch wirklich das Lesevergnügen verderben. Ich hoffe, deine nächste Lektüre rockt wieder richtig!

    Liebe Grüße von der Nana (die gerade mit Buch am See liegt .smile.)
    PS: Dein Bewertungssystem finde ich übrigens legendär. ♡

    • „Legendär“? Das ist ein Kompliment, oder? 🙂 Danke! 😀

      Ansonsten kann ich dir nur recht geben, es gibt leider viel zu viele Geschichten mit unglaublich viel Potenzial, die aber durch den Schreibstil, die Charaktere oder sonst was auch immer dann am Ende nur noch solide oder gar schlecht sind. Schade um die schönen Ideen, eigentlich.

      Was findest du an dem Bewertungssystem denn so toll? <3 🙂

      Grüße

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