Opferblut - Marc Gore (u.a.)

Opferblut – Marc Gore (u.a.)

Titel: Opferblut | Autor: Marc Gore, Rainer Innreiter, Uwe Siebert und Manfred Klos | Seitenzahl: 208 Seiten | Verlag: Pandämonium Verlag | Erscheinungsdatum: 28.07.2015 | Dieses Buch kaufen: Hier

 

Im Horror-Segment habe ich bisher eigentlich ausschließlich Spiele gespielt und Filme geguckt – Horror-Bücher waren bei mir bisher nicht wirklich vertreten. Dass könnte sich durch „Opferblut“, eine Anthologie von diversen Horror-Autoren, geändert haben. Warum? Dass erfahrt ihr in dieser Rezension!

Story

Da dieses Buch aus insgesamt acht Kurzgeschichten (mal kürzer, mal länger) besteht, werde ich zu jeder der Geschichten einen kurzen Teaser schreiben und danach meine Meinung zu dieser mitteilen. Die Entwertung bezieht sich dabei auf einen Durchschnitt aus ALLEN Kurzgeschichten.

Niemandsland: Im zweiten Weltkrieg haben die Deutschen viele Niederlagen einstecken müssen, doch einige Soldaten haben aus verschiedenen einen zu starken Lebenswillen und verhalten sich deshalb wie „Zombies“.

Niemandsland ist die zweit-kürzeste Geschichte in Opferblut und wurde von Uwe Siebert geschrieben. Ich habe sie als äußerst atmosphärisch empfunden, die Story und der Schauplatz waren interessant und das Ende hat mich überrascht. Alles in allem ist die erste Geschichte Opferblut kurzweilig, aber sehr atmosphärisch und logisch. Ich habe sie gerne gelesen.

Opferblut: Manhattan wurde von „Seeräuber“ genannten Kannibalen eingenommen. Die eigentlichen Stadtbewohner sind entweder tot, oder leben versteckt im Untergrund. So auch die beiden Protagonisten, ein junges Ehepaar, welches mit zwei Freunden gemeinsam lebt und sich größtenteils von Ratten ernährt. Doch irgendwann finden die Seeräuber das Ehepaar…

Auch die namensgebende Kurzgeschichte Opferblut wurde von Uwe Siebert geschrieben. Sie mutet ein wenig post-apokalyptisch an, was mir gut gefallen hat. Die Bedrohung durch die Seeräuber wurde mir als Leser eindeutig vor Augen geführt. Auch Elemente des Splatter wurden hier eingesetzt, was ein sehr detailreiches Kopfkino bei mir verursachte… Leider. 😀 Auch eine gewisse Obszönität lässt sich nicht von der Hand weisen. Opferblut war länger als Niemandsland, hat mich aber trotzdem die ganze Zeit über fesseln können. Auch die zweite Kurzgeschichte hat mir ausgesprochen gut gefallen!

 

Evolution: Die Menschheit wird durch einen Virus befallen, gegen den nur wenige immun sind. Die Erkrankten sehen weiter aus, wie normale Menschen, haben aber das Bedürfnis, das Fleisch anderer, nicht erkrankter Menschen zu essen und deren Blut zu trinken. Der Teenager Sarah und ihr Vater sind zwei der Gesunden, und erleben in der längsten der Kurzgeschichten ein gruseliges und ekelhaftes Abenteuer!

Diese Kurzgeschichte war die längste in dieser Anthologie. Sie hat sehr spannend begonnen, und zwar mit der Aussage eines Vaters, laut der er seine eigene Tochter umgebracht habe. Das ist zwar an sich eine „schöne“ Einleitung, hat aber einen Teil der Geschichte kaputt gemacht: Im Verlauf der Geschichte hat der Vater immer wieder erwähnt, dass es seine oberste Priorität sei, seine Tochter zu schützen. Da der Leser aber bereits von Anfang an weiß, dass die Tochter Sarah stirbt, erscheint diese Parole beziehungsweise diese Motivation des Vaters für den Leser sinnlos. Ansonsten aber, war die Geschichte teilweise ein wenig vorhersehbar, hat mich aber unter anderem auch wegen des tollen und gruseligen Endes überzeugen können.

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Carnivore I: The Possessed: Bei einer „Geisterbeschwörung“ beschwören einige Jugendliche versehentlich Geister. Allerdings nicht so wie geplant: Scott, der der Beschwörung beiwohnte, bekommt plötzlich Lust auf Menschenfleisch, und beginnt, Leute zu morden, die er kennt…

Diese Kurzgeschichte wurde von Marc Gore geschrieben. Sie enthält viel Gewalt, und auch „Violence“, also sinnlose Gewalt. Diese sinnlose Gewalt hat mich aber zeitweise ein wenig gestört: Warum ergötzt sich Scott so daran, menschen zu morden? Er foltert sie ja praktisch. Warum tötet und isst er sie nicht einfach? Wäre doch wohl auch für ihn einfacher, als eigentlich recht fetter, vermutlich fauler Mensch. Abgesehen davon gefiel mir die Geschichte gut, auch wenn sie alles andere als komplex und durchaus auch ein wenig trist war.

Carnivore II: Rapid Woman: Eine Frau wurde im Ausland von einem gefährlichen Tier gebissen, dessen Gift den Hunger auf die jeweils eigene Gattung des Gebissenen weckt. Da sie dem Trieb nicht widerstehen kann, frisst sie ihr wenige Monate altes Baby auf, und wird in eine Anstalt eingeliefert. Doch sie will sich rächen…

Und eine weitere Geschichte von Marc Gore, wieder mit dem Thema Kannibalismus. Zwar mit einem komplett anderen Aufhänger als The Possessed, aber eine gewisse Einseitigkeit könnte man den Geschichten schon vorwerfen. Aber es ist ja immerhin auch ein Zweiteiler, also ist die Themengleichheit gar nicht mal so abwegig… Mir gefiel diese Geschichte auf jeden Fall besser als die erste Marc Gores. Sie war lebendiger, persönlicher und gefühlvoller. Die typischen Horror-Elemente, wie ich sie bereits aus Carnivore I kannte, kommen aber auch hier wieder vor, wenn auch etwas knapper bemessen.

It came from the depth: Professor Pratchet hat lange dafür kämpfen müssen, eine Expedition antreten zu dürften, um eine angebliche versunkene Stadt vor Mexiko im Meer zu finden. Bei der Expedition stoßen er und sein Team aus Forschern aber auf etwas überraschendes, vielleicht gefährliches?

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Auch diese Kurzgeschichte kam von Marc Gore, und konnte mich überzeugen. Mit dem Meer (bzw. dem Schiff) wurde eine interessante und neue Umgebung geschaffen. Auch der Fund selbst ist interessant, und der weitere Story-Verlauf gruselig und Gore-typisch ekelhaft. Mehr möchte ich aber aus Spoiler-Gründen hier nicht verraten.

Das Ding: Bei einer Tour durch eine Höhle finden einige Menschen sehr komische Dinge… Ja, diese Beschreibung ist kurz. Die von Manfred Klos geschriebene Kurzgeschichte ist das aber auch. Die Story war spannend, und setzte zur Abwechslung etwas mehr auf Atmosphäre als auf Splatter-Elemente. Alles in allem eine schöne, sehr kurzweilige Geschichte!

Der andere Keller: Stephans Vater trägt ein Geheimnis mit sich: In einem verbotenen, zweiten, eben „anderen“ Keller experimentiert er hinter einer dicken Stahltür, und niemand aus der Familie weiß, was er dort tut. Doch mit diesem Unwissen will sich Stephan nicht zufrieden geben…

Splatter findet sich in dieser Geschichte gar nicht, sie bedient sich ausschließlich der typischen „Schauer“. Und es bleibt tatsächlich auch für den Leser lange ungeklärt, was sich im anderen Keller, der auch vom Autor Manfred Klos erschaffen wurde, verbirgt! Und auf die Lösung, wäre ich schlussendlich nicht gekommen.

Schreibstil

Hier gehe ich auf den Schreibstil der Autoren ein.

Uwe Siebert: Uwe Sieberts Schreibstil (bzw. seine Geschichten) waren mir anfangs etwas zu Dialogarm, was sich aber später zum positiven verändert hat. Er hat es mit seinen Geschichten geschafft, mich sehr gut zu unterhalten, und für die kurze Dauer des Lesens seiner Geschichten auch zu fesseln. Und etwas anderes, erwarte ich vom Schreibstil einer Kurzgeschichte auch nicht.

Rainer Innreiter: Den Punkt, der mich an Rainer Innreiters Schreibstil am meisten gestört hat, habe ich bereits in der „Story“ Sektion erwähnt. Allerdings lässt sich dieser Kritikpunkt auch auf den Aufbau der Geschichte schieben. Ansonsten konnte er den Charakteren sehr gut Leben einhauchen und hat mich auch die ganze Zeit unterhalten können. Und das ist ja das wichtigste, oder? 😉

Marc Gore: Der Autor von Carnivore I & II und It came from the depth hat einen sehr Splatter-lastigen Schreibstil, was manchen gefällt, und manchen auch eben nicht. Die Einseitigkeit, die sich besonders durch die erste Geschichte gezogen hat, gefiel mir allerdings nicht. Besonders im ersten Carnivore Teil sind mir außerdem ein paar nicht ganz so schöne Formulierungen aufgefallen, die schlimme, plötzliche und erschreckende Ereignisse wohl ungewollt ins lächerliche gezogen haben. Ansonsten haben mir aber auch Marc Gores Geschichten ausgesprochen gut gefallen, besonders gut: Der zweite Teil von Carnivore.

Manfred Klos: Der Splatter-Anteil war bei Manfred Klos eher gering, er hat sich auf andere Formen der Horror-Geschichte konzentriert, was eine schöne Abwechslung geboten hat. Ansonsten hat er sehr viel mit dem „großen Geheimnis“ gearbeitet, einer bestimmten Begebenheit oder einem Ding, was dem Leser lange Zeit verborgen bleibt, und erst an einem bestimmten Punkt aufgelöst wird. Das hat die Spannung zusätzlich gesteigert.

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Charaktere

Niemandsland: Diese Geschichte ist recht kurz und handelt fast ausschließlich von einem einzigen Charakter, dessen Beweggründe aber nachvollziehbar und er somit glaubwürdig war.

Opferblut: Hier konnte ich mich recht schnell an die Charaktere gewöhnen, und auch hier waren sie vollkommen glaubwürdig, aber nicht unbedingt alle sympatisch.

Evolution: Sarah und ihr Vater sind beide tolle und auch recht tiefe Charaktere, mit denen ich sehr gut mitfühlen konnte, und deren Geschichte auch Emotionen in mir anregen konnte.

Carnivore I: The Possessed: Hier konnte ich mit den Charakteren, abgesehen von einem weiblichen Nebencharakter, keine wirkliche Verbindung aufbauen. Schade!

Carnivore II: Rapid Woman: In dieser Geschichte spielte sich das genau Gegenteil, in Vergleich zu Carnivore I, ab. Mit den Mitgliedern der Familie konnte ich sehr wohl mitfühlen, und auch die Nebencharaktere waren glaubwürdig und hatten eigene Charakterzüge.

It came from the depth: Hier konnte ich die Handlungen der meisten Charaktere gut verstehen, aber auf Grund von zu wenig Tiefe und zu wenig eigenen Charakterzügen, keine wirklich Verbindung zu ihnen aufbauen.

Das Ding: Hier habe ich einige handelnde Personen von Anfang an unsympatisch gefunden. Aber auch hier war auf Grund der Länge der Geschichte wohl keine ausführlichere Beschreibung der Menschen möglich.

Der andere Keller: Hier habe ich mir wiederum ein besseres Bild von den Charakteren machen können, und ihr handeln deshalb auch gut nachvollziehen können.

Cover&Design

Das Cover ist schlicht gestaltet, gefällt mir aber gut, und macht auch sofort klar, dass es sich hier um ein Horror-Buch handelt. Innerhalb des Buches findet sich ein Inhaltsverzeichnis, was ich sehr begrüßt habe. Ansonsten finden sich im Buch nicht wirklich viele Design-Elemente, ist in einem „normalen“ Buch aber auch nicht nötig.

 

9 Kommentare

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  2. Hi Benni,

    prima Besprechung … aber „violence“ bedeutet ganz einfach nur Gewalt. Sinnlose Gewalt bedeutet „mindless violence“ oder „senseless violence“…

  3. Das klingt ja sehr vielversprechend! Im Herbst lese ich sowieso gerne etwas deftigere Kost und muss mich wieder mit Thrillern und Horror-Geschichten eindecken! 😀

    Eine sehr informative und tolle Rezension! 🙂
    LG, Nana

  4. Hallöchen,

    haha, ich fande die Geschichten von Marc Gore persönlich am besten. Besonders der erste Teil von Carnivore! =D Na ja, gut. Man kann halt nicht immer dieselbe Meinung haben. =D Und da ich so gern mecker, muss ich auch hier ein bisschen meckern. Du fängst bei den Charakteren 5 Mal mit „Hier“ an. =D
    Ansonsten eine schöne, ausführliche Rezension, aber ich frage mich zum Schluss irgendwie immer noch, ob du das Buch wirklich mochtest oder es mehr für Horror-Fans weiterempfiehlst. =)

    Alles Liebe
    Luz!

    • Hei Luz,

      stimmt, Geschmäcker unterscheiden sich. Aber das ist doch das schöne an einer Kurzgeschichtensammlung, das für jeden Geschmack etwas dabei ist. 🙂

      Joa, die Satzanfänge werde ich mal überarbeiten, danke für den Tipp, Meisterin. ^^

      Hmm.. Ich hätte mich vor diesem Buch auch nicht als Horror-Buch-Fan bezeichnet, weil ich einfach selten welche gelesen hab. Das Buch eignet sich also schon als Einstieg in die Horror-Welt. Vielleicht sollte ich das noch genauer formulieren.

      Viele Grüße
      Benni

  5. Gutes Referat 😉
    Liest sich unterhaltsam

    • Danke für das Lob! 🙂

      Aber auch schöne Kurzgeschichten, die du geschrieben hast, muss ich sagen. 😉

      Viele Grüße
      Benni

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