Fallen Hörspiel

Rezension mit Stefan Lindner: Fallen (4) – Houston

Bild von Foster (4) - Houston
Cover von Fallen (4) - Houston

Fallen (4) – Houston

Serie: Fallen | Folge: 4 | Spielzeit: ca. 46 Minuten | Label: Imaga, wortart | Erscheinungsdatum: 16.12.2016 | Dieses Hörspiel kaufen: CD (Amazon)* | Download (Amazon)*

 

Bisher hat mich die neue Imaga-Serie Fallen nicht wirklich überzeugen können. Mit dieser Folge hat sich das ein bisschen geändert, aber leider eben auch nur ein bisschen. Genau deshalb hat Stefan Lindner von Lindenblatt Records, der die Serie überwiegend positiv sieht, eine Gegenrezension verfasst, die du am Ende meines Beitrages findest.

Story

 

Friedrich von Gartner befindet sich weiterhin mit der kleinen Marie und einer neuen, ebenfalls weiblichen Begleitung (was ein Aufreißer, Nenene) auf der Flucht vor zumindest für von Gartner und Marie unbekannten Feinden. Um diesen zu entkommen, tarnen sie sich als Familie, die eine Reise nach Prag unternimmt. Ob die Gegenspieler das Manöver durchschauen?

Mir gefallen in dieser Folge besonders die ruhigeren „Familien-Passagen“ sehr gut, da sie ein bisschen Abwechselung gegenüber der dauerhaften Verfolgung in den ersten drei Folgen bieten. Diese Verfolgung geht allerdings auch in Fallen (4) – Houston weiter, und ist spannend und gut inszeniert wie eh und je.

Mein größter Kritikpunkt bleibt der Antagonist (oder eher die Antagonisten), die immer noch nur sehr spärlich charakterisiert wurden. Das steigert zwar auf der einen Seite das Interesse an diesen, doch nach vier Folgen sollte man den „Bösewichten“ schon langsam kennen, da Antipathie gegenüber dem Gegenspieler auch meistens die Sympathie für die Protagonisten steigert.

Ob das aber überhaupt so nötig ist ist fraglich, da mir sowohl von Gartner als auch Marie in dieser Folge sehr sympathisch waren. Auch die Nebencharaktere haben mir in der vierten Folge erstmals wirklich gut gefallen, besonders das Medium in Prag und sein Bruder, die für einiges Schmunzeln gesorgt haben.

Auch wenn ich den Verlauf der Geschichte und die Entwicklung der Charaktere immer noch nicht wirklich gut finde, hat dieses Hörspiel mich tatsächlich ziemlich gut auf meiner Zugfahrt nach Prag unterhalten können. Die Mischung aus hektischer Verfolgung und ruhigen, teils wirklich humorvollen Szenen hat mir sehr zugesagt.

Sprecher

 

Bis auf den miserablen tschechischen Akzent des Mediums Pavel Kollar hat mir die Sprecherauswahl ausgezeichnet gefallen. Besonders „Der Mann mit der Mütze“ Torsten Sträter als als Ziggy Kollar war Unterhaltung auf höchstem und besten Niveau.

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An einigen Stellen klingt Friedrich von Gartner ein bisschen wie Inspektor Cotta, sein Sprecher ist und bleibt aber Frank Röth, und der macht seinen Job wirklich gut. Auch wenn mir Maries Stimme an einigen Stellen nicht komplett gefallen hat, hat sie die kleine Tochter der zwei Erwachsenen wirklich gut gemimt.

Alles in allem sind die grandiosen Sprecher auch in Fallen (4) – Houston wieder eine der größten Stärken des Hörspiels.

Musik & Effekte

 

Der weiterhin unglaublich nervige und meiner Meinung nach nicht gute und unpassende Orchester-Chor-Soundtrack (was singen die da bitte, „Casa Doris“?) wird in dieser Folge gelegentlich von einem Jazz-Lied und von einem Country-Rock-Lied mit Vocals unterbrochen, die mir beide ziemlich gut gefallen und in die Stimmung gepasst haben.

Die Geräusche sind wieder auf höchstem Niveau, in dieser Folge aber etwas zurückhaltender, einfach weil es hier mehr „normale Gespräche“ gibt und weniger Verfolgungsszenen.

Cover & Design

 

Das Cover von Fallen (4) – Houston ist wieder im sehr ansprechenden Stil der letzten Folgen gezeichnet und zeigt eine Frau (bzw. einen Engel), der wohl die Flügel entrissen wurden. Das lässt Spekulationen zu, um wen es sich auf dem Cover handelt. Kennen wir diesen Charakter?

Im auffaltbaren Inlay findet sich die doch recht prominente Sprecherliste und eine Übersicht über andere von Imaga produzierte Hörspiele.


Ab hier findest du die Meinung von Stefan Lindner. Herzlichen Dank an ihn, dass er sich bereit erklärt hat, diesen Beitrag mit einer zweiten Perspektive zu versehen. 🙂

Houston, ich habe da ein Problem.

Der Hauptgrund, warum ich mich zu dieser „Gegen-Rezension“ habe motivieren lassen, sind die vom lieben ReZensionÄr angebrachten Kritikpunkte, welche den Eindruck vermitteln, den Machern würde es nicht gelingen auf den Punkt zu kommen oder Zusammenhänge schlüssig zu erläutern.

Von einer bestimmten Warte aus betrachtet, kann ich durchaus nachempfinden, was hier gemeint ist, allerdings nicht wirklich, warum das negativ sein soll.

Das wirkt auf mich so, als würde sich jemand beschweren, dass er nach einem zur Hälfte gelösten Kreuzworträtsel immer noch nicht das Lösungswort kennt. Natürlich nicht. Dann wäre das Nachsinnen ja frühzeitig vorüber. Hier ist durchaus auch der Weg das Ziel.

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Als alteingesessener Fan des Mediums, weckte die Ankündigung einer Kooperation der beiden Hörspiel-Macher Oliver Döring und Marco Göllner bei mir hohe Erwartungen.
Und – soviel sei vorab gleich verraten – diese wurden bei „Fallen“ bislang auch voll erfüllt.
Ich finde die Reihe sehr geil.

Da wäre zuerst natürlich die Story an sich. Das gesamte Setting.

Der Vatikan, ein kleines Mädchen mit übernatürlichen Fähigkeiten, eine Prophezeiung, zwei rivalisierende Parteien von Engeln, die unerkannt unter uns wandeln, ihre eigenen Ziele verfolgen und sich tödliche Duelle mit Schwertern liefern. Da habe ich sofort Assoziationen zu Filmen, wie „God´s Army – Die letzte Schlacht“, aber auch „Highlander – Es kann nur einen geben“.

Da bin ich schnell zu Hause. Finde ich super.

Zu Marco Göllners (Skript, Regie, Schnitt) größten Stärken gehören seit jeher seine Dialoge. Diese geraten nie hölzern oder aufgesetzt, sondern sind pointiert und authentisch.

Auch sonst feuert der Mann wieder mal aus allen Rohren und bedient sich einer breiten Klaviatur akustischer Stilmittel:

Überraschende und dynamische Schnitte, abwechslungsreiche und coole Übergänge, sehr vielseitige und cineastisch eingesetzte Musik und Soundeffekte, mehrere komplexe Handlungsstränge, mit Perspektivenwechseln, Tempo- und Stimmungswechseln, Zeitsprüngen … Man merkt bereits, hier wird einem keine leichte Unterhaltung zum Geschirr spülen oder einschlafen serviert.

Es lässt sich (zumindest beim erstmaligen Hören) nicht nebenbei konsumieren. Man muss mitdenken und kombinieren. Man muss dran bleiben. Man muss seine Phantasie benutzen.

„Fallen“ fordert vom Hörer Mitarbeit.

Darauf muss man schon Bock haben. Da muss man Geduld mitbringen.

Darauf muss man sich einstellen und es muss einem Spaß machen.

Eine ganz speziell auf Teil Vier gemünzte Rezension zu schreiben, fällt dabei gar nicht leicht (und erscheint mir auch nicht wirklich sinnvoll), denn es handelt sich eben nicht um eigenständig funktionierende Episoden einer Serie, sondern um weitere Puzzlestücke eines zusammenhängenden Sechsteilers. Dennoch will ich es mal versuchen.

„Houston“ ist vielleicht so etwas wie ein Bindeglied. Es gibt weniger Action-Szenen und das Tempo ist ein gutes Stück weit reduziert. Dafür werden einige Erklärungen geliefert, Zusammenhänge werden deutlich, Handlungsstränge kreuzen sich und Weichen werden gestellt.

Der ehemalige Schweizer Gardist „Friedrich von Gartner“ befindet sich mit der kleinen „Marie“ auf dem Weg nach Prag, um dort weitere Informationen über die Engel zu recherchieren. (An dieser Stelle sei auch einmal erwähnt, dass die junge Lilli Martha König seit mehreren Jahren konstant außergewöhnlich tolle Sprecher-Leistungen abliefert. Dafür ein riesiges Sonderlob!)

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Begleitet werden sie nun von der toughen, kampferprobten und geheimnisvollen „Soderquist“.

Da ihre Odyssee längst auch zu einer Flucht geraten ist, reisen die Drei inkognito, als harmlose Familie. In den gemeinsamen Gesprächen mischt sich eine gewisse Wärme und Herzlichkeit in den Plot, in dem sonst jeder jedem zu misstrauen scheint. Durch die Kabbeleien entstehen auch immer wieder humoristische Momente.

Der Humor ist in dieser Folge ohnehin ein neues und auffallendes Element. Die beiden skurrilen „Kollar-Brüder“ (gesprochen von Hennes Bender und Torsten Sträter) finde ich schon sehr lustig.

Der Handlungsstrang um den Engel „Il-Gibr“, der mittlerweile auf ziemlich krasse Weise einen menschlichen Körper übernommen hat, wird düster und teilweise auch sehr hart weiter geführt. Überhaupt erfährt man viele neue Details über die Strukturen und Hierarchien innerhalb der konkurrierenden Fraktionen. Und der Cliffhanger stellt bereits in Aussicht, dass in Teil Fünf deutlich mehr Licht ins Dunkel dieser übersinnlichen Wesen gebracht wird.

Kurz und gut: „Houston“ führt die furiose Story auf gleich hohem Niveau weiter, gibt diverse Informationen preis und leitet auch schon ganz allmählich den Showdown ein. Es ist innovativ, spannend, böse und tatsächlich stellenweise auch sehr lustig.

Es steht für mich überhaupt nicht zur Diskussion, ob dieses Hörspiel gut gemacht ist.

Es ist lediglich die Frage, ob man bereit ist, sich dieser fordernden Erzählweise zu stellen und mitzumachen. Ob man wohl zum Zielpublikum gehört.

Die Zahlenbewertung stammt von Benjamin Kalt und nicht von Stefan Lindner. 😉

2 Kommentare

  1. Samsung_Galaxy

    Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

  2. Pingback: Rezension: Fallen (5) - Prag • Der ReZensionÄr

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