Buch Fantasy Pferdegeschichte Pia Hepke Self Publishing (Kein Verlag)

Stummer Schrei Stiller Schmerz – Pia Hepke

Stummer-Schrei-Stiller-Schmerz

Stummer Schrei Stiller Schmerz – Pia Hepke

Titel: Stummer Schrei Stiller Schmerz | Autor: Pia Hepke | Seitenzahl: 77 Seiten | Verlag: Kein Verlag (nur als e-Book erschienen) | Erscheinungsdatum: 17.08.2015 | Dieses Buch kaufen: Hier

 

Meine Damen und Herren: Premiere! Dieses Buch ist das erste E-Book, das ich je gelesen habe. Es stammt von der Indie-Autorin Pia Hepke und handelt, wie unschwer am Cover zu erkennen, von Pferden. Ihr könnt allerdings keine kitschige Mädchen-Pferde-Story erwarten! Stummer Schrei Stiller Schmerz hat mich häufig zum nachdenken angeregt, schon allein weil viele Personen aus meinem Umfeld selber im Turniersport aktiv sind und ich selber geritten bin.

Story

Airia ist eigentlich eine ganz normale Stute, doch sie musste schwere Schicksalsschläge erleiden und hat dadurch vor vielen Dingen, zum Beispiel Menschen, große Angst. Sie soll verkauft werden, doch das junge Mädchen Janie kauft die Stute von ihrem Besitzer ab. Mühselig schafft Janie es, Airia ihre Ängste auszutreiben. Doch bald stirbt Janie unerwartet, und Airia bekommt eine neue Besitzerin, und muss erneut leiden. Sporen, Gerten und vieles mehr richten ihren Körper und ihre Seele zu. Doch Janie schafft es, als Geist auf die Erde zurück zu kehren. Kann sie Airia von ihren Qualen befreien?

Habe ich in meiner Zusammenfassung zu viel verraten? Ich glaube nicht, denn der Klappentext verrät genau so viel. Vorab mein Fazit: Ich bin begeistert. Das Buch wird nie langweilig, ist immer spannend mit einem fast durchgehenden, traurigen Unterton und widmet sich einem sehr interessanten und viel diskutierten Thema: Ist Turniersport eine Qual für die Pferde?

Ich selber habe Freunde und Bekannte die Turniere reiten, und auch diese benutzen verschiedenste Utensilien, um die „geliebten“ Pferde gefügiger zu machen. Gleichzeitig bin ich auch mit einigen Hobbyreiterinnen befreundet, die diese Form des Reitens verachten und sich mehr auf die Bindung zwischen Mensch und Tier einlassen, sich nicht am Turniersport beteiligen und lieber Ausritte durch den Wald genießen, anstatt in hochmoderen Reithallen Parcours zu springen.

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Dieses Buch hat mich zum Nachdenken angeregt, und führt dem Leser immer wieder vor Augen, dass auch er (oder sie) sicherlich schon mal, wenn auch häufig unterbewusst, ein Tier gequält haben könnte.

Auch das in Pferdebüchern (und -FIlmen) schon fast typische „Reiter und Pferd freunden sich langsam an“ finden wir in Stummer Schrei Stiller Schmerz, auch wenn der sonst so beliebte Kitsch hier mal ganz außen vor bleibt. Dieses E-Book ist vieles, aber sicherlich nicht kitschig. Es ist traurig, Wahr und manchmal sogar schon fast poetisch.

Auch die Tatsache, dass Janie irgendwann als „Geist“ (oder was auch immer sie sein mag) zurück kehrt, passt irgendwie sehr gut in die Geschichte und kommt nicht an den Haaren herbei gezogen rüber. Trotz dieses Fantasy-Elements ist die Story von vorne bis hinten glaubwürdig.

Mein Story-Fazit: Die Geschichte von Stummer Schrei Stiller Schmerz ist mit einigen Fantasy-Elementen angereichert, handelt aber primär von der nicht immer für beide Seiten gute Verbindung zwischen Mensch und Pferd, dem teilweise unendlichem Egoismus und Unverständnis des Reiters und den Qualen, die Körper und Seele des Pferdes durch die Doofheit der Menschen ertragen müssen. Eine rund um gelungene und glaubwürdige Geschichte, die zwar nur 77 Seiten lang ist und sich somit eher kurzweilig gestaltet, aber auf jeder einzelnen Seite Emotionen auslösen kann.

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Schreibstil

Stummer Schrei Stiller Schmerz wird aus mehreren Perspektiven erzählt. Zeitweise wird es in der Ich-Perspektive aus Sicht von Janie erzählt, manchmal übernimmt aber auch eine Dritte Person das Erzählen und beschreibt häufig und recht ausführlich die Gefühle der Stute Airia. Recht ausführlich? Ja, aber nie langweilig. Auf jeder virtuellen Seite passiert irgendwas, es gibt keine Längen und keinen nicht Emotionalen Moment in diesem Buch.

Die Gefühle und Gedanken der Stute wurden so beschrieben, dass ich mich perfekt in die Lage von ihr einfühlen konnte, und auch verstehen konnte, was sie fühlt. Auch Janies Beweggründe wurden ausführlich erklärt und waren plausibel, ich habe die Zeit mit ihr wirklich genossen.

Dialoge gibt es auch einige. Diese wirken sehr lebendig und gefielen mir sehr gut. Trotz meistens eher kurz gehaltener Ortsbeschreibungen konnte ich mir fast jede Szene sehr gut bildlich vorstellen.

Charaktere

Neben Janie, der neuen Besitzerin Sophie, Airia und Janies Eltern gibt es nicht wirklich viele Charaktere in diesem Buch. Und ich muss ehrlich sagen: Am sympatischsten waren mir Janie, Airia und ein Hund, so dumm das auch klingen mag. Über Janie erfährt man recht viel, sie ist ein interessanter Charakter, der sein ganzes Leben für die Stute Airia opfern würde. Airia hingegen wird immer wieder von Schicksalsschlägen getroffen, und nach und nach den Verfall ihrer Seele zu sehen, machte mich traurig und gleichzeitig wütend, auch wenn mir nie wirklich klar war, auf wen eigentlich.

Neben der Stute, dem Hund und der Protagonistin finden sich aber, wie bereits, gesagt, fast keine Charaktere in dem Buch. Von Janies Eltern erfährt man wirklich nicht besonders viel, und auch die restlichen Nebencharaktere werden nicht sehr ausführlich behandelt, auch wenn ich zu jedem irgendwas sagen könnte: „Die ist nett!“, „Der ist Blöd“.

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Da es aber insgesamt eher wenige Charaktere in dem Buch gibt, konnte sich die Autorin um so mehr auf die Hauptcharaktere einlassen, und die sind wirklich toll geworden! 🙂

Cover&Design

Dieses Buch hätte eine so tolle Wertung absahnen können, würde ich das Cover nicht absolut hässlich finden. Ohne hier dem Zeichner zu Nahe treten zu wollen natürlich. Dennoch trift das Cover wirklich nicht meine Geschmack, und nach einigem rum zeigen des Covers in der Blogosphäre wurde ich in meiner Meinung bestätigt. Immerhin: Das Cover zeigt ein Pferd, das ist schon mal sehr gut. Ich hatte mir während des Lesens Airia aber deutlich dunkler vorgestellt, von den Farben her sieht sie auf dem Cover ja eher fuchsig aus. Die Flammen oder die elektrische Ladung sollen vermutlich die erlittenen Schmerzen darstellen. Das Cover ist in Rot und Schwarz gehalten, und macht einen etwas bedrohlichen Eindruck, was an sich ganz gut zu Stummer Schrei Stiller Schmerz passt. Außerdem kann man den Titel sehr gut lesen und erkennt direkt das Thema des Buches. Daher will ich hier ein bisschen kulant sein, weil dieses E-Book eigentlich wirklich genial ist, und ich die Wertung nicht durch das Cover komplett zerstören will. Außerdem sind mir bei E-Books die Covers nicht besonders wichtig.

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